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Ein Triumphkreuz gehörte zur Ausstattung großer mittelalterlicher Kirchen und hing unter dem Triumphbogen zwischen Chor und Kirchenschiff. Diesen wichtigen und weithin sichtbaren Standort nahm vermutlich einst auch das Güstener Triumphkreuz in einer großen Kirche ein. So wird das vermutlich aus dem 12. Jahrhundert stammende Kruzifix als bedeutendes Zeugnis des Mittelalters eingestuft. Wie und wann es nach Güsten kam, ist unbekannt.
Bei dem Güstener Kruzifix handelt es sich um ein vollplastisch aus Holz gearbeitetes und farbig gefasstes Triumphkreuz in Lebensgröße. Dargestellt ist der ans Kreuz geschlagene, noch lebende Christus. Der Körperbau des Gekreuzigten ist schlank, seine Haltung aufrecht und frontal. Der Korpus ist kaum merklich nach links geneigt und ein wenig unproportioniert, wodurch die Haltung unnatürlich und steif wirkt. Die langen, dünnen Arme sind asymmetrisch angeordnet. Der linke Arm des Gekreuzigten ist leicht angehoben und ragt mit der Hand etwas über den Kreuzbalken hinaus. In den Handinnenflächen stecken Kreuzigungsnägel.
Das Haupt Christi ist leicht zur rechten Brust gesenkt, die Augen sind halb geöffnet. Das mittig gescheitelte Haupthaar fällt in geschwungenen Bahnen hinter den kleinen Ohren auf die Schultern. Bekrönt wird das Haupt durch ein gewundenes Tau, das mit Dornen besetzt ist. Der Gekreuzigte trägt einen kurzen Backenbart, wobei der Bereich oberhalb der Lippe ausgespart ist.
Der Thorax ist länglich. Übereinander angeordnete Einkerbungen deuten die Rippenstruktur an. Die Schlüsselbeine heben sich bogenförmig unterhalb des Halsansatzes ab.
Das versilberte und einst mit einem Goldlack überzogene Lendentuch wird auf der Hüfte durch einen wulstartigen Gürtel, Zingulum genannt, gehalten. Es endet unterhalb der Knie. Die Faltenbahnen sind zumeist vertikal angeordnet. Eine flache und sehr breite Falte endet auf der rechten Seite in einem seitlich herabhängenden Zipfel. Das Pendant des Zipfels auf der anderen Seite ist verloren.
Die Beine sind frontal und parallel ausgerichtet. Die nach vorn geneigten, großen Füße stehen nebeneinander auf einem ornamental verzierten Brett, dem sogenannten Suppedaneum, und sind nicht mit Nägeln gemartert. Der vordere Bereich des Suppedaneums zeigt ein eingekerbtes Zickzackmuster.
Der Körper ist mit zahlreichen, fächerartig angeordneten Geißelmalen und herabrinnenden Blutspuren versehen. Auf der rechten Brustseite befindet sich eine weit klaffende Seitenwunde, aus der das Blut herabströmt.
An der Überblattung der Kreuzbalken befindet sich eine Gloriole, die mit kleinen, kreuzförmigen Punzen verziert ist. Die Strahlen sind mit imitierenden Edelsteinen besetzt. Kreuz und Gloriole sind zum größten Teil versilbert und waren einst mit einem Goldlack überzogen.
Blattwerk umsäumt das Kreuz, an dem der Korpus fixiert ist.
(Quelle: Stephanie Keinert, Das Triumphkreuz aus Güsten – ein spätromanisches Bildwerk, Werktechnik – Restaurierungsgeschichte – Behandlungskonzept, Hildesheim 2011)